In der Politik muss man durch ganz harte Bretter bohren
„Wir haben den schönsten Beruf auf dieser Welt. Es ist aber wichtig, dass wir auch wirtschaftliche Perspektiven haben und sich Chancen für die kommenden Generationen eröffnen“, sagte Markus Ritter in seinem Referat in Wolfenschiessen.
Am 3. Februar 2018 gaben Markus Ritter und die beiden Landratskandidaten, die Familienfrau Sabina Knobel Niederberger und der Bauer Otmar Odermatt in Wolfenschiessen NW Auskunft über die „Zukunft unserer Landwirtschaft“. Eingeladen hatte die CVP Wolfenschiessen.
Betriebe verlieren Existenzgrundlage
Rund 50 interessierte Personen warteten gespannt auf das Referat von Markus Ritter. Sie wurden nicht enttäuscht. In seiner gewohnt witzigen Art und mit viel Herzblut erläuterte Ritter die Zielvorgaben und die Arbeit des Schweizerischen Bauernverbands in den Bereichen Politik, Märkte, Kommunikation und Image. „In der Politik muss man durch ganz harte Bretter bohren. Aber ich kann euch versprechen, dass der Bohrer, den wir jetzt verwenden, spitzig, hart und extrem scharf ist.“ Auch im Grenzschutz werde der Bauernverband „keinen Millimeter zurückweichen“. Ritter kritisierte die Freihandelsabkommen, inzwischen seien es über 30: „Das Resultat sind massive Preisabschläge bei landwirtschaftlichen Produkten. Die Einkommenseinbussen der Bauernfamilien von 2,9 Milliarden Franken innerhalb von fünf Jahren wolle der Bundesrat ausgleichen, aber gleichzeitig den Strukturwandel forcieren. Verlierer sind die kleineren Bauern, die sich trotz Subventionen mit rückläufigen Einkommen konfrontiert sehen. Vielen Betrieben würden dadurch die Existenzgrundlage entzogen“, so Ritter.
Einheimische Lebensmittel gefragt
Otmar Odermatt, Landratskandidat und Biobauer vom Grunggis, Wolfenschiessen, sorgt sich um den Kulturlandverlust: „Wenn so weitergebaut wird, werden wir definitiv zur Agglomeration der Grossstädte und uns bleiben nur noch die Hanglagen. Da ist eine wirtschaftliche, konkurrenzfähige Produktion kaum mehr möglich.“ Odermatt betonte, dass Bauer ein sehr schöner und vielfältiger Beruf sei: „Leider haben sich die Rahmenbedingungen sehr geändert.“ Der Meisterlandwirt verdient 40 Prozent seines Einkommens ausserhalb des Hofs.
Für die Familienfrau und CVP-Kandidatin Sabina Knobel Niederberger spielen gesunde Nahrungsmittel aus Wolfenschiessen und aus Nidwalden eine wichtige Rolle. Sie kauft in Hofläden ein und vermittelt ihren Kindern einen direkten Bezug zur Nidwaldner Landwirtschaft. „Das Vertrauen der Schweizer Bevölkerung in die Landwirtschaft ist sehr gross und darum die Eigenversorgung mit Lebensmitteln sehr wichtig“, betont Ritter. „Jedes Jahr produziert die Schweizer Landwirtschaft im Gesamtwert von 63 Milliarden Franken Nahrungsmittel.“
Nachfolger gesucht
„Die Zukunft der Landwirtschaft wird am Küchentisch entschieden“, betonte Ritter. „Muss die ältere Generation hart arbeiten und ums Geld kämpfen, dann will die nächste Generation bestimmt nicht Bauer lernen. Die Hälfte der heute über 50-jährigen Betriebsleiter haben keine Nachfolger, das bedeutet, dass in den nächsten 15 Jahren 13 bis 14000 Betriebe ausscheiden werden. Damit würden die Betriebe noch grösser. 70 Kühe haben und 70 Kühe ‚werche’, das ist nicht dasselbe. Heute ist die Burnout-Rate bei den Bäuerinnen doppelt so gross, wie bei der übrigen Bevölkerung.“
Markus Ritter machte den anwesenden Bäuerinnen und Bauern auch Mut: „Viele Frauen sind hervorragend ausgebildet. Ein Nebenerwerb kann eine gute Sache sein. Das ist meist lukrativer, als drei Kühe mehr im Stall zu haben. Man muss als Bäuerin und als Bauer aus den Fähigkeiten, die man hat und aus den Stärken des Betriebs das Beste machen.“
Das feine Bauernapéro und die Gespräche mit Bäuerinnen und Bauern genoss Markus Ritter sichtlich: „Ich bin viel und gerne unterwegs. Wann immer möglich kaufe ich in Hofläden ein, interessiere mich für regionale Spezialitäten, bin im Kontakt mit Menschen. Das ist immer interessant. Am Abend kann ich dann meiner Frau eine gute Geschichte erzählen, denn het sie immer choge Frööd’, wenn ich heimkomme.“
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